27.04.2021
Der 194-fache FCS-Profi im Gespräch
Es fehlen ihm lediglich sechs Einsätze auf die 200er-Marke. Doch nichtsdestotrotz ist und bleibt Alessandro Furlan einer der Spieler, welche das letzte Jahrzehnt des FC Südtirol in stärkerem Maß geprägt haben. Der vielseitige Mittelfeldspieler wechselte im Sommer 2010 von Mezzocorona nach Bozen, wo er insgesamt sieben starke Meisterschaften bestritt.

Eine Saison lang führte der gebürtige Trientner die Weißroten als Kapitän aufs Spielfeld. Die richtige Persönlichkeit und die nötige Intelligenz dazu brachte er ohne Zweifel mit. Letztere nutzte er auch abseits des Fußballs, um sein Bachelorstudium in Sportwissenschaften erfolgreich zu meistern.

Alessandro, beginnen wir mit einer „akademischen“ Frage. War es schwierig, dein Studium an der Römer Universität San Raffaele mit deinen Verpflichtungen als Profispieler zu kombinieren?
„Ich begann mein Studium im Alter von 27 Jahren. Das Fachgebiet Sportwissenschaften war dabei die logische Wahl, da mein ganzes Leben von Fußball und Bewegung geprägt war. Ich legte mich voll ins Zeug, auch wenn das Ziel zu Beginn beinahe außer Reichweite schien. Doch ich schaffte es, das Studium in dreieinhalb Jahren erfolgreich abzuschließen. In der Kabine hatten wir dann erstmals einen Bachelorabschluss zu feiern, eine riesige Freude für mich.“

Wann war die Nervosität größer: vor einem Match oder vor einer Prüfung?
„Vor einer Prüfung, das steht außer Frage. Man weiß ja nie, welche Fragen ein Professor dir stellen wird.“

Ein Universitätsstudium verlangt Hingabe und Opferbereitschaft. Alessandro Furlan verzichtete drei Jahre lang auf den Sommerurlaub, um im Juli so viele Prüfungen wie nur möglich zu schreiben. Was Furlan seine Arbeit ein weinig erleichterte, war die großartige Beziehung zum damaligen Konditionstrainer und zum Physiotherapeuten. Insbesondere beim Schreiben der Bachelorarbeit überhäuften sie ihn mit Fachwissen und besonderen Ratschlägen.
Alessandro Furlan, ein Mittelfeld-Allrounder mit Köpfchen
Kommen wir zum Fußball: Welche sind die schönsten Erinnerungen an deine Zeit beim FCS?
„Die Höhepunkte waren ganz bestimmt das Playoff-Halbfinale gegen Carpi und das doppelte Endspiel gegen Pro Vercelli, welches – wie alle FCS Fans wissen – unglücklicherweise verloren ging. Doch auch die Freundschaften, die im Laufe der Jahre entstanden, sind für mich von großer Bedeutung. Dabei denke ich hauptsächlich an die 7-8 Spieler, die von Anfang bis zum Ende mit dabei waren.“

Was fällt dir hingegen zu deiner letzten Saison im FCS-Dress ein, sprich 2016/17?
„Der sicherlich bedeutendste Moment war die Erlangung des Klassenerhalts. In den letzten zwei Monaten konnten wir zahlreiche 3er einfahren, zudem feierte ich im März meinen Universitätsabschluss. Das Sahnehäubchen war der Auswärtssieg in Parma.“

Wie siehst du den Verein zum jetzigen Zeitpunkt?
„Der Verein hat die zur Verfügung stehenden Ressourcen stets gut ausgenutzt, ohne den Bezug zur Realität zu verlieren. In meinen ersten Jahren hatten wir kein eigenes Trainingsfeld, sondern mussten täglich in verschiedene Ortschaften ausweichen. Mittlerweile verfügt der Club über ein hochmodernes Trainingszentrum und schon bald auch über ein Stadion auf Serie A-Niveau. Zudem ist es dem FC Südtirol gelungen, zu den Einwohnern der Provinz Bozen ein tolles Verhältnis aufzubauen. Das wichtigste dabei ist, niemanden ausgeschlossen zu haben.“

Was macht Alessandro Furlan heute?
„Zurzeit habe ich zwei Beschäftigungen. Einerseits arbeite ich als Konditionstrainer von Levico Terme, weshalb ich nach wie vor im Fußballbusiness tätig bin. Im März 2021 findet in Coverciano der diesbezügliche Zulassungskurs der FIGC statt: Ich habe mich dafür angemeldet und hoffe, dass meine Anfrage angenommen wird. Weiters arbeite ich als Versicherungsagent für die Itas-Filiale in Lavis. Ich kann mich glücklich schätzen, dass sich die beiden Tätigkeiten sehr gut kombinieren lassen. Früher oder später möchte ich in den Profifußball zurückkehren und die Ziele erreichen, welche mir als Spieler entgingen. Ich möchte die Gelegenheit nutzen, um mich beim FC Südtirol für dieses Interview zu bedanken und dem Club viel Erfolg für das Saisonfinale zu wünschen. Vielleicht klappt es ja in diesem Jahr…“

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