04.05.2022
Damit in einer Profimannschaft alle Abläufe reibungslos über die Bühne gehen, braucht es einen Team Manager, der bestimmte, unumgängliche Kompetenzen mit sich bringt: Problem-Solving-Skills, Bereitschaft, Gleichgewicht und gute zwischenmenschliche Beziehungen. Der Team Manager ist das Bindeglied zwischen dem Verein bzw. dessen Mitarbeitern und der Profimannschaft. Beim FC Südtirol hat Emiliano Bertoluzza diese Rolle inne. Der 37jährige Trientner kam im Jänner 2011 – kurz nachdem Maurizio Pellegrino den Trainerposten von Alfredo Sebastian übernommen hatte – zum FCS und ist seither eine bedeutende Bezugsperson für den gesamten Verein.

Emiliano, beginnen wir von ganz vorne: Wie bist du zum FC Südtirol gekommen?
„Der Verwaltungsleiter des FC Südtirol, Gianluca Leonardi, suchte einen Mitarbeiter für seine Abteilung. Auf die Stelle aufmerksam wurde ich durch einen gemeinsamen Freund. Ich habe einen Universitätsabschluss in Wirtschaft und Unternehmensführung und bin ein leidenschaftlicher Fußballfan: Die ausgeschriebene Position war wie auf mich zugeschnitten. Nachdem der Kontakt hergestellt wurde und alles planmäßig verlief, trat ich meinen Job beim FC Südtirol an. Zuerst war ich ausschließlich in der Verwaltung tätig, im Jahr 2013 – mit Lorenzo D’Anna als Cheftrainer – übernahm ich zudem die Rolle des Team Managers.“
Better call Emiliano
Als Team Manager ist man stets die erste Anspruchsstation der Profispieler und des Trainerstabs. Gemeinsam mit letzterem wird jede Woche ein Trainingsplan erstellt, welcher auf die nächsten Begegnungen und verschiedenen Bedürfnissen maßgeschneidert wird. Der Team Manager koordiniert die Nutzung der Infrastrukturen und nimmt im Namen des Clubs an vielen Verbandssitzungen teil. Er sorgt dafür, dass am Spieltag alle notwendigen Dokumente pünktlich eingereicht werden und die Kommunikation zwischen Club und Mannschaft funktioniert. Um all diese Aufgaben zu meistern, braucht es neben der notwendigen Zeit und viel Leidenschaft auch überdurchschnittliche organisatorische Fähigkeiten.

Kann man sagen, dass in deinem Job „Multitasking“ gefragt ist?
„Dem kann ich nur zustimmen. Zu den zahlreichen Tätigkeiten, für welche man als Team Manager zuständig ist, zählen u.a. die Organisation der Trainingseinheiten, Spielern und Trainern bei ihren Bedürfnissen zu unterstützen sowie die Planung von Auswärtsfahrten. Um die richtigen Unterkünfte und Transportmittel zu finden, ist es für mich ausschlaggebend, gute Beziehungen zu den Kollegen der anderen Vereine zu pflegen. Ich bin kontinuierlich mit dem Verband und den anderen Institutionen in Kontakt, sodass alle Anforderungen angemessen erfüllt werden und die Heimspiele regelkonform ausgetragen werden. Was das Organisatorische betrifft, versuche ich die Kultur des Vereins zu verkörpern und sowohl die Bedürfnisse der Mannschaft, als auch jene des Clubs zu befriedigen. Diesbezüglich tausche ich mich regelmäßig mit dem Geschäftsführer aus. Darüber hinaus bin ich beim FC Südtirol für das Aufsetzen der Spielerverträge und die Meisterschaftseinschreibung verantwortlich.“

In dieser Hinsicht ist es natürlich ausschlaggebend, alle Vorschriften bzw. Vorgehensweisen zu kennen und immer auf dem aktuellsten Stand zu sein…
„So ist es. Diesbezüglich muss ich sagen, dass die letzten zwei Jahre noch etwas anstrengender waren. Es wurde ein umfassendes Covid-Protokoll ausgearbeitet, welches periodische Fristen für Abstriche und Blutproben vorsieht. Der Großteil der restlichen Abläufe sind mittlerweile zu Routinevorgängen geworden. Nichtsdestotrotz müssen diese mit großer Vorsicht ausgeführt werden. Man sieht auch auf höchstem Level, dass kleinste Formfehler, wie bei der Ausfüllung der Spielerliste, hart bestraft werden können. Um diesen Job richtig ausführen zu können, ist es ausschlaggebend, sämtliche Reglements zu kennen und immer auf dem neuesten Stand zu sein.“
Im Alltag sind Flexibilität, Bereitschaft, Persönlichkeit und Glaubhaftigkeit gefragt. Darüber hinaus muss man auf die Anforderungen der Mitmenschen eingehen und Lösungsvorschläge auf den Tisch bringen. Was braucht es noch?
„All das muss ein Team Manager natürlich mitbringen. Man ist eine Bezugsperson und demzufolge muss man stets bereit sein, Menschen zuzuhören und verlässlich bzw. pünktlich zu agieren. Timing ist in meinem Job ausschlaggebend, denn auch kleinere Angelegenheiten müssen rechtzeitig geregelt werden. Wenn man all diese zusammenzählt, kann zeitgerechtes Handeln schon entscheidend sein.“

Welcher ist der anstrengendste Zeitraum im Laufe einer Saison?
„Meines Erachtens sind es die Sommermonate. Der Transfermarkt ist voll im Gange, die Mannschaft ist im Trainingslager und die Einschreibung für die Meisterschaft steht vor der Tür. Es müssen die Verträge der Neuverpflichtungen verfasst werden und ihnen Unterstützung in der Wohnungssuche bieten. Doch auch im jetzigen Zeitraum, mit so vielen Matches auf dem Spielplan, gibt es alle Hände voll zu tun.“

Was gibt es hingegen an einem Spieltag alles zu tun?
„Sagen wir mal so: Bei der Ankunft im Stadion habe ich den Großteil der Arbeit bereits hinter mir. Wenn zeitlich und formell alles passt, dann stehen eigentlich nur noch Routinearbeiten an. Im Laufe der Jahre ist es mir gelungen, gute Beziehungen zu den Kollegen der anderen Vereine, zu den Schiedsrichtern und den Verbandsfunktionären aufzubauen. Empathie mit allen Interessensvertretern herzustellen vereinfacht natürlich meinen Job.“

An allererster Stelle im Job steht immer die Leidenschaft, nicht wahr?
„Die steht immer ganz oben! Als Team Manager hat man keine geregelten Arbeitszeiten und auch am Wochenende ist man stets im Dienst. Den Job und die Familie unter einen Hut zu kriegen ist demzufolge nicht immer einfach. Meine Frau und meine zwei kleinen Jungs haben zum Glück großes Verständnis für meine Arbeit bzw. Leidenschaft.“

Gab es im Job einen besonderen Moment, den du nie vergessen wirst?
„Da gibt es sehr, sehr viele. Dank meines Jobs habe ich viele Menschen kennengelernt und Beziehungen zu Funktionären anderer Clubs aufbauen können. Zu einem der kuriosesten Momente kam es im Sommer 2012, als ich gemeinsam mit Luca Piazzi (damaliger Sportdirektor, Anm.d.Red.) beim AC Mailand zu Gast war. Wir unterhielten uns mit Ariedo Braida, als plötzlich Adriano Galliani und Mino Raiola ins Büro kamen. Es war der Tag, als Zlatan Ibrahimovics Wechsel zu Paris Saint-Germain definiert wurde. Als großer Milan-Fan meinte ich scherzend zu ihnen den Deal nicht abzuschließen…“

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