04.04.2023
Am 14. Januar feierte Mattia Marchi seinen 34. Geburtstag. Nach rund vierhundert Einsätzen und über hundert Toren von der Primavera bis hin zur zweiten und dritten Liga musste der ehemalige FCS-Stürmer jedoch im Mai letzten Jahres seine Fußballschuhe an den Nagel hängen. Es war ein erzwungener Abschied von der aktiven Fußballbühne. Aufgrund von verschiedenen Verletzungen ermöglichte es ihm sein Körper allerdings nicht mehr, so zu trainieren und spielen, wie er das wollte.

Der 1989 in Rimini geborene Marchi setzte nach dem letzten Spieltag der vergangenen Drittligasaison (Gruppe A) im Trikot von Virtus Verona einen Punkt hinter seine aktive Karriere. Fußballerisch großgeworden ist der ehemalige Stürmer in seiner Heimatstadt in der Romagna. Diese verließ er im Jänner 2010 erstmalig, um zum FC Südtirol in die C2 zu wechseln. Wenige Monate später gelang es ihm bereits, sich in den Geschichtsbüchern des Vereins zu verewigen. Es war der 9. Mai 2010, als der großaufgewachsene Angreifer in einem ausverkauften Drusus-Stadion mit seinem allesentscheidenden Treffer in der 69. Minute gegen Valenzana den ersten, historischen Aufstieg der Weißroten in die dritthöchste Spielklasse fixierte. In seiner Laufbahn kam er zu insgesamt 10 Einsätzen in der Serie B mit Rimini und Reggiana sowie 323 Spielen und 69 Toren in der Serie C in den Trikots von Rimini, dem FC Südtirol (von Januar 2010 bis Juni 2011: 49 Spiele und 11 Tore und von Januar bis Juni 2021: 9 Spiele, ein Tor), Pavia, Virtus Entella, Cremonese, erneut Pavia, Mantua, Feralpisalò, Reggiana und Virtus Verona. Zu Beginn seiner „neuen“ Karriere ist der heute 34-jährige wieder nach Bozen zurückgekehrt, wo er sich mit seiner Frau und den zwei Kindern mittlerweile fest verwurzelt fühlt.

Mattia, wie geht es dir in deiner neuen Rolle als Assistenztrainer der Primavera-3? Wie sind die ersten Monate verlaufen?
„Ich fühle mich sehr wohl in dieser Funktion, auch wenn es am Anfang nicht unbedingt einfach war. Obwohl man ja weiter im Fußballbereich tätig ist, musste ich mich doch erstmal an die unterschiedlichen Aufgabenfelder und Vorgehensweisen herantasten. Ich habe den Posten des Co-Trainers aber übernommen, mit dem Anspruch, mich stetig zu verbessern und von allen Beteiligten tagtäglich so viel wie möglich zu lernen.“

War der Beginn der Saison trotzdem so, wie du ihn erwartet hattest?
„In vielerlei Hinsicht schon. Einige Aspekte sind mir durch meine eigene Karriere als Fußballer bekannt gewesen, andere habe ich einfach neu entdeckt. Zu Letzterem zählt zum Beispiel die permanente Trainings- und Spielanalyse sowie der Austausch über verschiedene Situationen auf dem Feld. Man erhält so Hinweise und gibt Anregungen, um am Ende eine bestimmte Lösung zu finden. Das ist sicherlich eine gegenseitige Bereicherung. Persönlich stehe ich dabei in ständigem Austausch mit dem gesamten Trainerstab, insbesondere aber mit Fitness- und Athletiktrainer „Neno“ Petrichiutto. Und das gilt nicht nur für die Zeit, in der wir auf dem grünen Rasen stehen, sondern genauso, wenn ich nicht vor Ort bin. In manchen Bereichen hätte ich nicht gedacht, dass die Arbeit so intensiv ist.“

Was würdest du sagen, sind die wichtigsten und kritischsten Punkte, auf die man dabei stößt?
„Das Wichtigste ist aus meiner Sicht, zu wissen, wie man sich im richtigen Zeitpunkt verhalten sollte, und auf welche Weise eine persönliche Beziehung zu den Jungs aufzubauen ist. Da geht es auch darum, mit Einfühlungsvermögen auf die Spieler zuzugehen, um ihre Bedürfnisse und Probleme besser zu verstehen und letztlich zu erkennen, wann der passende Moment ist, gewisse Dinge anzusprechen. Alles immer in einem professionellen Kontext. Meiner Meinung nach liegen die kritischsten Punkte ebenso genau in diesem zwischenmenschlichen Bereich. Es ist von grundlegender Bedeutung einen positiven Dialog zu jedem einzelnen aufrechtzuhalten. Auf dem Spielfeld kann man Fehler begehen, im Austausch untereinander sollte das jedoch nicht passieren. Dafür gilt es, die emotionale Ebene deines gegenüber zu kennen und sich bewusst zu sein, dass du es mit Jugendlichen zu tun hast, die alle noch wachsen und sich weiterentwickeln.“

Du bildest dich auch gerade für deine neue Rolle weiter. Wie weit bist du da schon?
„Ich habe in Coverciano an einem Trainerlehrgang teilgenommen und so die Uefa-B-Qualifikation erworben. Für mich war es der erste Ausbildungsschritt, der es mir ermöglicht, meiner aktuellen Tätigkeit nachzugehen. In der Zukunft sollen noch weitere folgen, um mich da Schritt für Schritt weiterzuentwickeln.“

Welche Fähigkeiten, die du dir selbst als Spieler angeeignet hast, vermittelst du auch heute in deiner täglichen Arbeit?
„Was ich den Jungs vor allem mitgeben möchte, ist eine gewisse Ernsthaftigkeit, Professionalität, sowie ein bestimmtes Verhalten auf und neben dem Platz. Zudem ist es wichtig, immer sein Bestes zu geben und nicht nach Alibis zu suchen. Genau das versuche ich unseren 17-, 18-jährigen Spielern zu vermitteln, die alle gerade auf dem Weg sind, erwachsen zu werden und den Sprung in den Seniorenfußball vor sich haben.“

Und welche Fähigkeiten musst du deiner Meinung nach noch erwerben und/oder verbessern?
„Das gibt es noch einiges. Jeden Tag muss und kann ich etwas lernen. Jeden Tag gilt es die Dinge nicht mehr aus dem Blickwinkel eines Spielers, sondern dem eines Trainers zu betrachten. Ich sehe mittlerweile auch die Fußballspiele anders als früher. Von den Eigenschaften einzelner Akteure bis hin zur jeweiligen taktischen Spielweise einer Mannschaft. Von der Suche nach Schwachstellen bis zur Bewertung der besten Spielzüge. Ich denke, dass jeder Trainer, selbst der erfahrenste, ständig etwas dazulernen kann. Er muss immer up-to-date sein und sich permanent weiterentwickeln. Ich selbst stehe noch ganz am Anfang und habe daher noch viel zu lernen.“

Wie bewertest du die bisherige Saison, sowohl der Ersten als auch der Primavera?
„Ich beginne mal mit der Zweitligamannschaft. Trainer Bisoli, der gesamte Trainerstab, sowie alle Spieler schaffen gerade etwas Unglaubliches. Es gibt keine Worte dafür, welch großer Dank ihnen gebührt. Die heurige Serie B ist eine sehr schwierige Meisterschaft. Auch die Erste hatte schwierige Phasen. Das, was sie aber leisten, verdient allergrößten Beifall und ist ungemein wichtig für das gesamte Umfeld. Für den Verein selbst, die Stadt, eine ganze Region und natürlich ebenso für den ganzen Nachwuchssektor. Was die Primavera betrifft, bei der ich als Assistenztrainer arbeite, kann ich ebenfalls sagen, dass wir ähnlich eine großartige Meisterschaft spielen. Der Start verlief noch etwas holprig, aber die Jungs haben eine wichtige Entwicklung genommen, sich stetig verbessert und sind zu einer starken Einheit zusammengewachsen. Wenn bestimmte Komponenten verinnerlicht werden, kommen die Ergebnisse irgendwann von selbst. Im Moment stimmen eben diese Resultate, und wir hoffen natürlich, so auch in Zukunft weiterzumachen, um als Primavera die gesetzten Ziele zu erreichen.“

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