09.01.2023
Der Frauenfußball bei den Weißroten befindet sich in einem konstanten und stetigen Wachstum. Eine Zahl belegt dies auf eindrucksvoller Weise: mehr als 120 Fußballerinnen, aufgeteilt in vier verschiedene Altersklassen, sind mittlerweile für den FC Südtirol aktiv. Sie alle sind Teil des rasant wachsenden Projekts, das mit einem soliden Fundament aufgebaut und anhand eines klar definierten und gemeinsam festgelegten Entwicklungsplans vorangebracht wurde. Ein Entwicklungsplan, der unten bei der Basis beginnt und somit bewusst langfristig angelegt ist. Die in der Oberliga spielende erste Mannschaft ist dabei treibende Kraft für den gesamten Bereich der FCS Women, der mehr und mehr an Aufmerksamkeit gewinnt.

Wir haben gemeinsam mit dem sportlichen Leiter der Damenabteilung, Marco Maraner, analysiert, was bisher bereits alles erreicht wurde und welche weiteren Entwicklungsschritte geplant sind.

Wie bewertest du den bisherigen Saisonverlauf bei den FCS Women?

„Stand heute – abgerechnet wird ja bekanntlich erst zum Saisonende - übertreffen die gezeigten Leistungen unsere kühnsten Erwartungen. Die erste Mannschaft ist Spitzenreiter in der Oberliga. Die U17 kämpft in der nationalen Spielklasse um Punkte und ist dort derzeit das höchstplatzierte Team aus der Region, auch wenn man einschränkend sagen muss, dass neben uns nur noch Trient mit dabei ist. Eine Zeit lang waren wir sogar auf Augenhöhe mit Hellas Verona, das landesweit zu den besten Jugendmannschaften zählt. In dieser Kategorie haben wir jedoch aktuell ein paar Probleme auf der Torhüterposition, da zwei unserer drei Keeper verletzungsbedingt ausfallen. Mit der U15 konnten wir die regionale Qualifikationsrunde gewinnen und haben somit den Sprung in die nationale Phase geschafft. Das ist für uns eine absolute Premiere als Verein. Und die U12 macht in ihrer Gruppe den gleichaltrigen Jungs auf dem grünen Rasen richtig zu schaffen. Bei den Pulcini treten unsere Mädels nämlich ausschließlich gegen Jungenmannschaften an.“

Wie sind die Kader der jeweiligen Damenmannschaften genau zusammengesetzt?

„Die vier Teams umfassen insgesamt etwa 120 Fußballerinnen. Mehr als 30 sind jeweils in der ersten Mannschaft und der U12 aktiv. In der U17 und U15 sind es dann jeweils ca. 25. Jedes Team verfügt über einen Chef- und Co-Trainer sowie einen Teammanager. Komplettiert wird der Stab durch eine Fitness-/Athletiktrainerin und zwei Torwarttrainer.“

Wie wichtig ist eine sogenannte Durchlässigkeit zwischen den verschiedenen Altersklassen bis hin zur ersten Mannschaft?

„Aus meiner Sicht ist das in jeder Sportart und unabhängig vom Geschlecht ganz essentiell, allerdings im Hinblick auf den Frauenfußball durchaus noch wichtiger. Verletzungen sind keine Seltenheit. Und wer bei seiner ersten Mannschaft lediglich mit 25 Spielerinnen in die Saison geht, hat unter Umständen nach der Hinrunde nur noch die Hälfte des Kaders zur Verfügung. Wir hingegen sind zusätzlich im Nachwuchsbereich breit aufgestellt, weswegen wir in eine gesicherte Zukunft blicken können. Aber auch in der aktuellen Spielzeit haben wir uns schon diese Durchlässigkeit zu Nutzen gemacht, sodass mit Jana Huber, Tina Costisella und Valentina Quadrio bereits drei Mädels der U17, Jahrgang 2007, mehrmals in der ersten Mannschaft im Einsatz waren und dadurch wichtige Erfahrungen sammelten. Den beiden Letztgenannten gelang es sogar einen Treffer in der Oberliga zu erzielen. Ich denke, das Ziel einer Jugendabteilung ist genau das, nämlich den Nachwuchs bestmöglich auf das Seniorenteam vorzubereiten.“

Eine erste Mannschaft in der Oberliga ist sicherlich zudem Ansporn für das ganze Umfeld und das Ziel einer jeden Nachwuchsspielerin…

„Sie ist in jedem Fall die treibende Kraft, egal in welchem Bereich. Das gesamte Umfeld blickt immer auf die Ergebnisse der ersten Mannschaft und hängt auch stimmungsmäßig davon ab. Ist die Erste erfolgreich, schwappt die Welle der Euphorie genauso auf die anderen Abteilungen über. Fallen die Resultate eher negativ aus, tun sich alle etwas schwerer. Ein gutes Beispiel dafür sind ebenso die hervorragenden Leistungen der Mannen von Coach Bisoli. Obwohl es natürlich Unterschiede gibt, ist die Situation mit unserer vergleichbar. Die erste Mannschaft ist das Aushängeschild. Das ist bei uns nicht anders. Mit jedem Mal sind es mehr Spielerinnen aus den Jugendmannschaften, die sich die Partien in der Oberliga anschauen.“

Wie schätzt du das Niveau der heurigen Oberliga ein?
„Ein hohes Niveau, deutlich höher als noch im Vorjahr. Zum einen, weil mit Isera ein Absteiger aus der Serie C in unserer Gruppe dazugekommen ist. Zum anderen, weil sich einige Teams erheblich verstärkt haben. Dazu zählen neben uns selber sicherlich ebenso Azzurra und Pfalzen. Beleg dafür ist, dass Pustertal als Zweitplatzierter im vergangenen Jahr und auch heuer zum Favoritenkreis zählend, sich derzeit mit einigen Punkten Abstand nur im Mittelfeld der Tabelle wiederfindet.“

Auf welchen Prinzipien basiert eure Arbeit und welche Schwerpunkte habt ihr euch für die Zukunft gesetzt?
„Meiner Meinung nach beruht jede Arbeit in erster Linie auf folgenden drei Komponenten: Professionalität, Kompetenz und Leidenschaft. Wir haben daher versucht, die Trainerteams nach eben diesen Gesichtspunkten zusammenzustellen. So, wie sich die Situation aktuell darstellt, scheint es, dass wir da genau die richtige Auswahl getroffen haben. Aber wie schon zuvor gesagt, abgerechnet wird erst nächstes Jahr im Mai, wenn die Saison zu Ende ist. Grundsätzliche Prioritäten unserer Arbeit liegen in der Weiterentwicklung des gesamten Sektors der FCS Women, damit wir zu der Referenz schlechthin im Frauenfußball unserer Region werden und vielleicht auch irgendwann über die Grenzen Trentino-Südtirols hinaus.“

Wie schauen eure unmittelbaren Ziele aus?
„Es wäre ein wenig heuchlerisch zu behaupten, dass es nicht unser Ziel ist, mit der ersten Mannschaft bis zum Saisonende um den Aufstieg in die Serie C mitspielen zu wollen. Es wird sicherlich schwierig, denn Isera, Azzurra und Riva del Garda sind ambitionierte Kontrahenten. Der Koordinator des gesamten Damen- und Jugendsektors beim FCS, Alex Schraffl, setzt uns diesbezüglich allerdings nicht unter Druck und hat immer hervorgehoben, dass es sich um ein längerfristiges Projekt handelt, bei dem nach ein paar Jahren der Aufstieg in die Serie C gelingen sollte. Aber wenn wir schon jetzt ganz oben dabei sind, warum sollten wir es nicht versuchen? Wir werden alles dafür tun, um unseren Tabellenplatz zu verteidigen, und können trotzdem ganz unbeschwert in die Spiele gehen. Für diese Rückendeckung danke ich Alex sehr, denn dadurch ermöglicht er Trainer Castellaneta und uns allen, bestmöglich zu arbeiten. Natürlich wäre es eine außergewöhnliche Leistung, wenn es uns nach dem achten Platz in der letzten Saison heuer sofort gelingt, aufzusteigen.“

Hat die generelle Professionalisierung im Frauenfußball bestimmten Bereichen der Damenabteilung des FCS neue Impulse gegeben?
„Die Professionalisierung ist sicherlich ein ganz entscheidender Schritt für den gesamten Frauenfußball. In den letzten Tagen hatten wir in Bozen das Vergnügen und die Ehre, die italienische Nationaltrainerin Milena Bertolini begrüßen zu dürfen. Auch sie betonte die Bedeutung dieser Entwicklung. Sie darf jedoch keinen Endpunkt darstellen, sondern muss Ausgang für weitere Entwicklungsschritte sein. Aber zumindest kann heutzutage ein Mädchen, dass mit dem Fußball ihr Hobby zum Beruf machen will, wirklich diesen Traum leben.“

Welchen Ratschlag würdest du einem fußballinteressierten Mädchen geben, damit sie es mit dem spielen versucht und zum FC Südtirol kommt?

„Ich würde ihr sagen, dass Frauenfußball heute ein Sport ist, der von Tausenden von Mädchen gespielt wird und der dem der Männer in nichts nachsteht. Um sie davon zu überzeugen, zu uns zu kommen, würde ich versuchen, ihr aufzuzeigen, dass wir in allen Bereichen unser Bestes geben, um aus jeder Spielerin das Maximum herauszuholen.“

Ein Wort noch an all diejenigen, deren Interesse jetzt geweckt wurde, die FCS Women zu unterstützen…

“Kommt zu uns und schaut euch die Spiele an. Es lohnt sich, denn der Frauenfußball begeistert genauso, wie der der Männer.“

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