Von den Anfängen in Bologna über die Serie A mit Spal
Ein erfahrener Torwart, mit einer faszinierenden Lebens- und Sportgeschichte.
Es war einmal ein kleiner Junge mit einem großen Traum: er war Balljunge in Bologna und auf dem Feld spielte ein gewisser Roberto Baggio – eine Legende, mit welcher besagter Bub später seinen Glauben teilen sollte. Dieser Junge ist heute 32 Jahre alt und steht im Tor des FC Südtirol. Giacomo “Jack” Poluzzi, geboren in Bologna, hat sich im vergangenen Sommer mit einem Zweijahresvertrag den Weißroten angeschlossen, um deren Gehäuse sauberzuhalten und mit seinen Paraden Resultate und Spiele zu entscheiden.

Die Nummer 1 des FCS misst 1,86m, verfügt über zwei blitzschnelle Hände und ist auch mit den Füßen spielerisch begabt – eine wertvolle Eigenschaft für einen Keeper. Giacomo kam von Virtus Francavilla zu den Weißroten, wo er in der vergangenen Saison - im Kreis C der Serie C - die Play-Offs erreicht hatte. Er weist eine lange Karriere voller interessanter Stationen und Episoden auf, welche äußerst reich an Emotionen war.

Jack, erzähle uns vom allerersten Kapitel deines Traums.

„Ich habe mit 5 Jahren begonnen, als Feldspieler Fußball zu spielen. Wenn man klein ist und sich gerade erst am Anfang befindet, kommt man auf allen Positionen zum Einsatz – und so traf auch mich früher oder später die Rolle des Keepers, welche mir vom ersten Moment an wirklich sehr gefiel. Von jenem Moment an spielte ich einige Jahre lang sowohl als Feldspieler als auch als Tormann. Begonnen habe ich bei Iperzola, dann wechselte ich nach Ceretolese, bevor ich zum Jugendsektor von Bologna stieß. Als ich neun Jahre alt war, kam Paolo Cimpiel – mein Jugendtrainer sowie der Sieger der Coppa Mitropa 1961 und des Scudetto 1964 mit Bologna – zu mir und bat mich, eine Entscheidung zu treffen. Ich sollte ihm mitteilen, in welcher Position ich spielen wollte. Daraufhin wählte ich die Rolle des Keepers, mit der damaligen Begründung, dass man als Feldspieler ein höheres Verletzungsrisiko habe.”

Welche deiner Trainer hatten den größten Einfluss auf dich?
Alle Trainer haben mir sehr viel beigebracht. Hervorheben möchte ich Christian Ferrante im Jugendsektor von Bologna und später Simone Preti bei Crevalcore, meinem ersten Jahr als Stammspieler in der Serie D. (33 Einsätz mit 17 Jahren) Er war es, der mir deutlich machte, wie wichtig es ist, aufopfernd und hart zu arbeiten, um seine Ziele zu erreichen und Resultate zu erzielen. Ebenfalls einen bleibenden Eindruck hat bei mir Cristiano Scalabrelli hinterlassen. Er war für fünf Jahre mein Coach bei Giacomense und Spal. Aber ich hatte noch viele weitere Trainer. Von allen habe ich etwas Neues und Wichtiges lernen können. Und dafür bin ich dankbar.”

In der Saison 2005/2006 spieltest du bei Crevalcore und danach folgte ein weiteres Jahr in der Serie D, dieses Mal bei Carpi. Wie war diese Station für dich?
„Nach meinem ersten Jahr in der Serie D kehrte ich zuerst von meiner Leihgabe nach Bologna zurück, bevor mich dann Carpi fest verpflichtete: dort habe ich 34 Spiele bestritten, bevor ich in der Spielzeit 2007/2008 zu Giacomense (Provinz Ferrara) stieß. Dort kam ich auf 30 Einsätze und wir konnten die Meisterschaft gewinnen. Es folgten weitere Jahre in der Serie D bei Este (31 Einsätze) und später Città di Castello, bevor ich drei weitere Spielzeiten bei Giacomense verbrachte, bis es zur Fusion des Klubs kam, aus der dann Spal entstand.”

28 Spiele in der Saison 2010/2011, 17 Partien in der Spielzeit 2011/2012, 26 weitere im Jahr 2012/2013 mit dem Team aus Masi San Giacomo in der C2 – im Anschluss zwei Jahre bei Alessandria (2013-2015) in der Serie C mit 27 Einsätzen. Es folgten zwei weitere Spielzeiten bei Fidelis Andria in der dritthöchsten italienischen Spielklasse: welche Erinnerungen hast du an diese Zeit?
„In dieser Periode bin ich fußballerisch sehr gereift. Ich werde mein Debüt im Trikot von Fidelis Andria in einem so imposanten Stadion wie dem „Via del Mare“ von Lecce nie vergessen. Luca D’Angelo war damals mein Coach. Zuvor hatte ich eine äußerst schwierige Phase erlebt, denn das Jahr zuvor war mein Vater gestorben und in Alessandria hatte ich, als mein Vertrag auslief, meinen Stammplatz verloren. Die Freude als Stammtorhüter zwischen den Pfosten zu stehen, war unbezahlbar. Als wir dann mit einem jungen Team Lecce mit 3:1 besiegten, kochten die Emotionen über. Und ich habe auch in Folge viele tolle Momente erlebt. Vom Meisterschaftssieg in der Serie B bis zum Klassenerhalt in der Serie A. Eine Zeit, in der ich viele große Fußballer kennenlernen durfte, von denen ich bis zum Jahr zuvor bloß Fotos ins Sammelalbum klebte. Auch wenn ich selbst mit der Spal nur wenige Minuten auf dem Platz stand, war das unbeschreiblich.”

Mit Fidelis Andria hast du im ersten Jahr 31 Spiele bestritten und zwischenzeitlich blieb dein Kasten über acht Spiele und umgerechnet 753 Minuten ohne Gegentor. Im zweiten Jahr kamst du auf 12 Einsätze, ehe du zur Spal in die Serie B gewechselt und damit wieder auf deine Ursprünge von Ciacomense gestoßen bist. War das wie eine Rückkehr für dich?
„So könnte man das beschreiben. Im Jänner 2017 kam ich zur Spal in die Serie B und gab am 18. Mai mein Debüt gegen Bari. Wir konnten die Meisterschaft gewinnen und ich verbrachte zwei Spielzeiten als dritter Torwart in der Serie A. Die Führung des Clubs hatten Präsident Walter Mattioli und die Colombarini-Familie inne, alles Menschen, mit denen ich bereits meine Erfahrung bei Giacomense teilen durfte. Ich kam auch auf einen Einsatz in der Serie A in der Saison 2018/2019. Mister Leonardo Semplici ließ mich in der Partie am 4. Mai 2019 im Bentegodi-Stadion von Verona an der Stelle von Emiliano Viviano auflaufen. Wir gewann die Partiemit 4:0.“
Giacomo Poluzzi: Der Fußball – zwischen Familie und Glauben
Im September 2019 kam dann der Wechsel zu Virtus Francavilla: 21 Spiele (acht Mal zu null), davon 19 in der Meisterschaft, einem Einsatz in den Play-Offs sowie einem im Italienpokal der Serie C. Was war dies für eine Saison für dich?
„Es war eine gute Saison, vielleicht mit einem leicht bitteren Nachgeschmack wegen der Play-Off-Erstrundenpartie bei Catania, als wir nach 20 Minuten mit 2:0 in Front lagen, in der 90. Minute jedoch das entscheidende Tor zum 2:3 kassierten und somit ausschieden.”

Was machst du gerne in deiner Freizeit?
„In meiner Freizeit verbringe ich vor allem Zeit mit meiner Familie und meinen Kindern. Es gefällt mir außerdem, wertvolle Freundschaften mit vielen ehemaligen und aktuellen Teamkollegen zu pflegen. Ich lese gerne und fahre für mein Leben gerne Ski – eine Leidenschaft, die ich für den Profifußball aufgeben musste. In meiner Jugend war ich oft mit meinem Vater auf den Brettern unterwegs, auf den wunderschönen Pisten in Val Badia. Ebenfalls gerne widme ich mich Büchern zur Meditation.”

Du hast dich dem buddhistischen Glauben angeschlossen. Wann und wieso?
„Es war eine Entscheidung, die mich sehr bereichert hat und mir viel Positives gegeben hat. Ich habe mich in dem Jahr dem Buddhismus angenähert, in dem mein Vater gestorben ist und ich die angesprochene negative Phase durchlebte. Mein Glaube hat mir geholfen, mein Leben wieder in die Hand zu nehmen und Regisseur desselben zu werden. Ich habe dank eines ehemaligen Teamkollegen in meiner Zeit bei Alessandria den Buddhismus kennengelernt. Dessen Prinzipien inspirieren meine Lebensweise im Alltag sowie in den Beziehungen zu meinen Mitmenschen.”

Erzähle uns ein wenig von deiner Familie.
„Die Familie ist die Basis für alles. Meine Frau Alessia und meine beiden Kinder Niccolò (fünf Jahre) und Leonardo (zweieinhalb Jahre) sind das wichtigste und wertvollste für mich. ”

Welches Ambiente hast du in Südtirol angetroffen?

“Ich bin froh und stolz, in einem Klub gelandet zu sein, der unbedingt wollte, dass ich ein wichtiger Bestandteil eines sich konstant entwickelnden Projektes werde. Hier kann man in einem idealen Umfeld Fußball spielen: tolle Strukturen, starke Organisation, langfristige Vision. Von der technischen Sichtweise sind wir in einem schwierigen Kreis mit einem hochklassigen Niveau gefordert. In uns existiert die felsenfeste Überzeugung und der Wille, immer alles zu geben und das Bestmögliche herauszuholen. Wir sind eine tolle Truppe, wir halten zusammen und haben fußballerisch wie menschlich große Qualität. Unsere Aufgabe wird es sein, so weit oben wie möglich zu bleiben und den großen Klubs selbstbewusst und auf Augenhöhe gegenüberzutreten.”

Was denkst du über die derzeitige, außergewöhnliche Situation? Während des Lockdowns im Frühjahr hast du ein tolles Projekt launciert…
“Während der ersten Welle habe ich – inspiriert von ähnlichen Initiativen von meinen ehemaligen Teamkollegen der Spal – versucht, in meinem kleinen Rahmen etwas zu tun: Gemeinsam mit dem Club haben wir in Francavilla entschlossen, einen Sammelfond anzulegen, mit dessen Hilfe wir in rund 15 Tagen ein Beatmungsgerät für die Erste-Hilfe-Station des Krankenhauses kaufen konnten. Meine große Hoffnung ist es, dass sich die Situation so bald wie möglich bessert und ein Mittel gefunden werden kann, um wieder zur Normalität zurückkehren zu können.”

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